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Nora

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Hunde: Anti, SWH x DSH, *2010 & Ixy, Mal, *2011

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Dienstag, 9. Juli 2013, 07:41

Sozialisierung bei Welpen und Junghunden

Seit dem Hüteseminar arbeitet in mir eine Aussage von Gerd Leder, über die ich einfach nicht hinweg komme... und ich möchte gerne wissen, was ihr darüber denkt:

Gerd Leder führte am Seminar aus, dass viele Schäfer ihre Welpen und Junghunde in den ersten ein bis zwei Jahren (meine ich) praktisch nur im Zwinger halten, sie gegebenenfalls an der Leine mitnehmen... aber mehr auch eigentlich nicht. Wenn dann die Zeit gekommen ist, darf der Hund mitlaufen und lernt dann erst, was er zu tun hat. Spannend fand ich diese Aussage vor allem, weil Gerd in seinem Vortrag einen Filmausschnitt zeigte, in dem eben eine solche Hündin gerade an eine Städterin vermittelt worden war. Auf dem Video sieht man, wie sie praktisch zum ersten Mal wirklich den Zwinger verlässt, dann zwei Stunden mit dem Schäfer und der zukünftigen Besitzerin mitläuft, bevor sie in ihr neues Heim umzog. Das Feedback der Besitzerin war wohl: Hat zwei Tage gedauert, dann war alles gut - Hund ist super.

Parallel dazu merke ich, dass Antixy jetzt so langsam alt genug sind, um mit Situationen umzugehen - und das viel reifer und überlegter tun, als das noch vor ein bis zwei Jahren der Fall gewesen wäre. Ich gebe ehrlich zu, besonders mit Ixy habe ich nicht mehr dieses hysterische Abtackern von Sozialisationsübungen gemacht - sie ist hier aufgewachsen, sie hat uns begleitet, aber sie wurde nicht zusätzlich mit Situationen konfrontiert. Anti schon... und ich frage mich, ob die Anfangszeit nicht wesentlich einfacher verlaufen wäre, wenn ich mich nicht so bemüht hätte, ihn an so irre viele Dinge zu gewöhnen. Heute könnte ich mich mit Antixy sicher an zB einen Bahnhof setzen, auch wenn sie so etwas nicht kennen - es wäre ihnen mehr oder weniger wurscht. Ob ich Ixy aber als Welpe / Junghund nicht einer fiesen Angstsituation ausgesetzt hätte, die sich später manifestiert hätte... kann ich natürlich nicht sagen.

Meine Frage ist: Wie viel Sozialisierung braucht der Hund tatsächlich? Wäre es nicht sinnvoller, ihn im ersten Jahr an die Reize des Alltags zu gewöhnen, weil er dann später aufgrund seines gefestigten Charakters auch mit fremden Reizen umgehen kann? Was für einen Sinn macht es, Bahn zu fahren, in die Stadt zu gehen, etc.? Wann überfordert man den Junghund mehr als man ihn fördert? Und: Machen wir uns mit all den Sozialisierungsübungen unsere eigenen Hibbels und Hyprigen?

Jason

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Dienstag, 9. Juli 2013, 08:17

Nur ganz kurz, müsste eigentlich schon längst auf dem Weg zur Arbeit sein.

Ja, ich denke, man kann mit der Sozialisation auch zu viel des Guten tun und den Hund damit völlig überfordern. Ich persönlich finde es viel wichtiger, dass der Welpe lernt, dass er bei und mit seinem Menschen sicher ist und mit ihm zusammen gefahrlos Neues erkunden kann. Dass er in seiner Gegenwart aber auch einfach nur entspannen und neue Eindrücke auf die Art verarbeiten kann. So wird er auch als erwachsener Hund neue Sachen leicht annehmen und sich nicht durch Neues langfristig verunsichern lassen.

Ziehe ich den Welpen aber von Ort zu Ort und Veranstaltung zu Veranstaltung, nur damit er möglichst viel erleben kann, dann hat er erstens kaum Zeit, all diese Eindrücke zu verarbeiten und zweitens wird er dies in der Regel nicht in der Ruhe tun können, die dafür notwendig wäre. Und so wird er auch nicht die Ruhe, sondern die Action in seinem Hinterkopf abspeichern, mit der man auf Reize reagiert und ggf. als Strategie in sein weiteres Leben mitnehmen.

Mit Jason habe ich selbst pro Woche höchstens 2-3 neue Sachen angeschaut, ansonsten haben wir uns ganz oft einfach nur in eine Wiese gesetzt und er durfte sich dort mit seiner Umwelt auseinandersetzen. Alles andere hätte ihn völlig überfordert und er hätte hochgedreht. Ich habe ihn auch ganz oft, zum Ziel getragen, wenn es mir darum ging, dass er sich auf die Dinge dort konzentriert.

Da er aber ein Hund ist, der sehr viel mit seinen Augen wahrnimmt, gab es Tage, an denen ihm schon das zum ausgewählten Ort getragen werden so viele Eindrücke vermittelt hat, dass ich auf das ursprünglich geplante Vorhaben verzichtet und ihn am Ziel zur Ruhe habe kommen lassen und ihn anschliessend wieder nach Hause/zum Auto getragen habe. Und heute ist Jason ein Hund, der problemlos mitkommt und sich überall sehr gut entspannen kann, der sich aber auch in Situationen, die ihn verunsichern gut an uns orientiert - auch wenn er das Problem manchmal gerne auf Jason Art lösen würde ;) .

Und ja, ich habe mit Jason Städte, Märkte und vieles Andere besucht, da mir wichtig ist, dass ich ihn möglichst überall hinnehmen könnte. Aber das habe ich nicht schon als Welpe Alles mit ihm gemacht und vor allem, ich habe es ganz bewusst geplant und ich war dann mit und wegen Jason und nicht wegen der Dinge vor Ort. D.h. ich bin nur so weit mit ihm gegangen, wie es für ihn gut war und habe ihn dort schauen lassen, wo er es brauchte.

In diesem Sinne ist für mich weniger mehr. Erst recht, da ich weiss, dass man es eh nie schaffen wird, seinem Hund als Welpe alles zu zeigen, mit dem er mal konfrontiert werden könnte.

Moni

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Dienstag, 9. Juli 2013, 08:30

Ich kenn mich da ja weniger aus. Grace war ich noch zu jung und die anderen Weiber habe ich ja erst allesamt älter übernommen. Ich kann mich da aber Moni sehr gut anschliessen. Beim nächsten Hund werde ich es genauso handhaben. Nicht zu viel und nicht zu wenig. Viele Sachen dosiert machen und entspannen. Irgendwo in nen Park sitzen und den Junghund selbst erkunden lassen. Ich würde sicher in die Stadt gehen und Bahnfahren, etc. aber die ganzen Programmpunkte müssen ja nicht innerhalb von 4 Wochen absolviert werden. Das hat doch Zeit mehr wie genug.

Selbst bei einem adulten Hund ist es das selbe. Duffy hat vieles nicht gekannt. Beim ersten mal Tram fahren bin ich nach 2 Stationen ausgestiegen, ein paar Wochen später waren es halt 4 Stationen usw. Heute geht Sie in so ziemlich alle Situationen entspannt rein, weil ich Sie neue Dinge immer bewusst und dosiert habe erleben lassen.
http://www.hundesitter-ortenau.de/

Mein kleiner Hundesitterdienst :)

Crispy

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Dienstag, 9. Juli 2013, 08:31

Für mich ist auch eindeutig: "Weniger ist mehr". Breeze kennt bis heute weder Bus, Bahn oder Zug. Sie war noch nie an einem Bahnhof, Flughafen oder an einer Massenveranstaltung. Und es ist auch gut so. Für Breeze passt es so...Und hey was soll ich auch sonst die nächsten 15 Jahre noch mit ihr üben? hihi

Nora

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Dienstag, 9. Juli 2013, 08:50

Nur ganz kurz, müsste eigentlich schon längst auf dem Weg zur Arbeit sein.

:) Dafür hast du jetzt aber viel spannenden Text getippert... :D

Zitat

Mit Jason habe ich selbst pro Woche höchstens 2-3 neue Sachen angeschaut

Definiert mal... weil verglichen mit der Schäfer-Taktik hört sich das ja schon nach irre viel an.

Und überhaupt - du hast den Vortrag ja auch gehört (und auch an euch andere, die ihn gehört haben): Was haltet ihr von diesem Ansatz? Ist er 'natürlicher' als dieses Riesenprotokoll, was heutzutage manchmal von Welpen und Junghunden gefordert wird? Welpenschule und Juhu-Kurs?

Es geht dabei ja weniger um aktuelle Reize und deren Verarbeitung - meine Frage ist eher, ob sich aus einem 'Schäfer-artig' aufgewachsenen Hund tatsächlich ein viel ruhigerer, souveränerer und handhabbarer Hund ergibt, obwohl diese Art der Nicht-Sozialisierung ja exakt das Gegenteil von dem ist, weil heute sogar teilweise gesetzeswegen von Hundehaltern gefordert wird.

Panouk

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Dienstag, 9. Juli 2013, 08:58

Wir sind mit all unseren Hunden bereits im Welpenalter oder Junghundealter dosiert und sehr überlegt unterwegs gewesen. Wobei mit unserer Cairnhündin Zaira sind wir im Alter von 4 Monaten auf einer längeren Reise mit dem WOMO gewesen. Dazwischen mehrere Tage ein sehr bescheidenens Programm. Entweder im Garten oder auf der gutbekannten kleinen Tour.

Allmählich dem entwicklungsstand entsprechend wurden solche Aktivitäten gesteigert, jedoch auch immer auf den Hund abgestimmt, dabei den Hund beobachtet und auch die Tage danach an seinem Verhalten reflektiert ob unsere Einschätzungen für uns und den Hund o.k. waren.

Mir ist aufgefallen, dass unsere DSH und Cairnterrier viel gelassener und reifer waren in diesem Alter.

Bei Anouk erleben wir seit sie läufig geworden ist eine markante Veränderung im Verhalten. Sie ist sehr viel ruhiger und gelassener geworden. Dies wurde auch von den verschiedenen Trainern beobachtet und uns in unserer Einschätzung bestätigt.

Für uns ist wichtig, dass wir einen alltagstauglichen Hund haben, den wir fast überall mitnehmen können vor allem auf unseren Ausflügen und in den Ferien.

Ich denke es ist ist von dem Reifezustand des Individiums abhängig. Von der Rasse, der Genetik, der Geburt und den Aufzuchtbedingungen sowie natürlich auch von den Umständen in der nachfolgenden Familie die Einfluss nehmen und das gemeinsame Erleben positiv vermitteln können.

Eine Pauschalisierung ist für mich nicht nachvollziehbar. Heute, bei unseren Gesetzgebungen SKN als Bsp. und unseren Lebenssituationen können wir unsere Hunde doch gar nicht abgeschottet und reizarm heranwachsen lassen wie vielleicht der (Wander)-Schäfer es praktiziert.


Sage es mir, und ich werde es vergessen; Zeige es mir, und ich werde mich daran erinnern; Beteilige mich und ich werde es verstehen!!! (lao tse)

BlueHeeler

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Dienstag, 9. Juli 2013, 09:13

Ich glaube ich habe ein gutes Beispiel (??) - Cole

Er kam auf einem Bauernhof zur Welt und da ich in der Zeit im Pferdebetrieb gearbeitet habe, hat er die erste Zeit seines Lebens nichts anderes kennen gelernt als andere Tiere und Wiese, Wiese, Wiese...

Als ich dann mit dem Reiten aufgehört habe um zur Uni zu gehen, sind wir wieder zu meiner Familie gezogen. Für ihn war Vieles wie Bahnhof, Stadt oder Lärm purer Stress. Auch heute noch ist er ängstlich wenn wir in der Nähe der Bahngleise spazieren gehen und Züge vorbeifahren.
Natürlich muss ich dazu sagen, dass er von Grund auf sowieso schon eher der ängstliche Typ ist.
Dennoch denke ich der Ansatz von Jason ist sehr gut. Man sollte den Hund nicht zu viel Reizen aussetzen aber wenn man es gar nicht tut, kann er auch nicht lernen cool mit diesen Dingen umzugehen.

Des Weiteren denke ich mir auch, ein Schäfer muss seinen Hund nicht an Stadtlärm oder an das Zugfahren gewöhnen. Dieser wird sicher kaum etwas anderes in seinem Leben sehen als andere Tiere und Wiese, Wiese, Wiese ;)
Schließlich ist es ja extremst schwierig heutzutage eine Schafsherde durch eine Großstadt zu treiben. Selbst die Wanderschäfer nutzen da ja ruhige, wenig befahrene Straßen...
Hug a Heeler - you will love it! :herz:

Tabasco

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Dienstag, 9. Juli 2013, 11:47

Zitat

Auf dem Video sieht man, wie sie praktisch zum ersten Mal wirklich den Zwinger verlässt, dann zwei Stunden mit dem Schäfer und der zukünftigen Besitzerin mitläuft, bevor sie in ihr neues Heim umzog. Das Feedback der Besitzerin war wohl: Hat zwei Tage gedauert, dann war alles gut - Hund ist super.
Ob die Hündin den Zwinger praktisch zum ersten Mal verlässt, konnte man auf dem Video nicht erkennen. Und das glaube ich auch nicht. Stell dir nur mal vor: Ein Hund, der alleine ein Jahr(?) nur im Zwinger verbringt. Da die Hündin für den Schäfer nicht zu gebrauchen war, musste er sie ja ab und zu raus genommen haben, sonst hätte er das doch nicht gemerkt.
Ebenfalls wäre es interessant zu wissen, wie sich diese Hündin nicht nur nach zwei Tagen, sondern nach einem halben Jahr bei der neuen Besitzerin verhält. Nach zwei Tagen ist doch noch kein Hund eingelebt.

Wenn man Gerd zugehört hat, merkte man ihm seine riesige Erfahrung an, aber zum Teil empfand ich gewisse Aussagen doch etwas als überspitzt dargestellt.

Nora

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Dienstag, 9. Juli 2013, 13:23

Ja, dass einige Aussagen überspitzt waren, kann ich mir auch gut vorstellen - da hast du recht, Tabasco. Aber klafft da nicht dennoch eine riesige Lücke zwischen dem, was Welpen und Junghunden heute gängigerweise aufgebürdet wird und dem, was ein Schäfer sich an Zeit und Aufwand nimmt?

Tabasco

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Dienstag, 9. Juli 2013, 13:49

Doch, garantiert. Aber wenn man dann sieht, dass ein Schäfer nur die absolut "beste Ware" für sich behält, weil er die anderen nicht brauchen können, ist die Sache schon wieder anders.

Wenn ich z.B. an meinen jetzigen und meinen früheren Hund denke: Der eine hat null Nervenkostüm, gesundheitliche Probleme und wäre bei einem Schäfer ganz schnell aussortiert worden. Der andere ein sowohl körperlich wie geistig absolut robuster Hund, der auch mit vier Jahren ihm völlig unbekannte und "gefährliche" Dinge mit einer Gelassenheit hingenommen hat. Aber beiden müssen wir Nichtschäfer ein hundegerechtes Leben bieten. Wir können (meistens) einen nicht so genehmen Hund nicht einfach weiter reichen.

nourach

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Dienstag, 9. Juli 2013, 15:55

Chuck kam ja mit 4 Monaten zu mir und kannte nichts. Die ersten 16 Wochen Sozialisierung war so ziemlich im Stall rumhängen und im Tierheim herumtollen. Danach hab ich mir keine grossen Gedanken gemacht und hab einfach mal mit ihm gelebt, soooo viel an Sozialisierung konnten wir sowieso nicht machen, da er für alles ewig lange brauchte :lama:
Ich hatte kein "Welpen-Sozialisierungs-Plan" wo ich jeden Tag plante was ich heute machen will, obwohl es mir in der Junghundegruppe so empfohlen wurde. Das einzige wo ich wirklich dran gearbeitet habe, sind Auto anschauen und über verschiedene Untergründe laufen.
Chuck ist zwar heute noch schreckhaft, kann sich aber neuen Situationen schnell anpassen, wenn es auch mal mit einem Wuff bekundet werden muss.

Ich habe auch 2 Freunde, die sich einen Welpen angeschafft haben. Beide haben sich mehr oder weniger keine Gedanken gemacht über Sozialisierung oder sonstiges, sondern haben den Welpen einfach komplett in ihr Leben integriert. Welpe 1 ist ein Husky-Border-Mix, der mit 12 Wochen an eine Geburtstagsparty am See mitgenommen wurde, 1 Woche später ein Shoppingtag in der Stadt, sowieso immer um möglichst viele verschiedene Leute und er hat wohl den Grossteil seiner Welpenzeit irgendwo am See oder der Stadt verbracht, wurde aber nicht explizit irgendwo sozialisiert oder gefördert. Heute ist die Kleine der entspannteste Hund den ich kenne und läuft 99% ohne Leine. 100% kontrollierbar und der wohl liebste Hund den ich kenne. Ich würde sie sofort klauen :herz:
Welpe 2 ist der Hund eines Kollegen von Spanien. Mit 8 Wochen vom Züchter geholt, 3 Tage später eine 6 Stündige Autofahrt nach Portugal an den Strand, wo sie dann 3 Wochen surfen waren während Hundi am Strand auf den Besitzer wartete. Danach gings ab in die Wintersaison wo er vom ersten Tag an mit auf die Piste genommen wurde und dort wieder wartete und wartete. Heute ist auch er ein superentspannter Hund mit dem man alles machen kann. Warten ist seine Lieblingsbeschäftigung und der wartet auch locker 1 Stunde ohne Leine vor dem Restaurant auf sein Herrchen das zu Mittag isst. Sozialisierung? Nichts geplant, Welpe musste nur lernen sich seinem Besitzer anzupassen und auf eigenen Beinen zu stehen und nicht ständig auf seinen Besitzer fokussiert zu sein.
Beide Hunde find ich einfach nur top! Das der Schuss auch nach hinten hätte losgehen können ist wohl klar, aber bei den beiden hats perfekt funktioniert. Somit hatten beide Hunde zwar die Sozialisierung die für ihre Halter wichtig waren gehabt, aber eher passiv und nicht aktiv die Situation gesucht und gearbeitet. Sie hatten keinen Plan, sondern einfach gelebt.
Menschen sind manchmal wie Hunde. Zum Glück sind Hunde nie wie Menschen.

Bones

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Dienstag, 9. Juli 2013, 16:30

Mein Grundsatz: so viel wie nötig, so wenig wie möglich^^

Ich ging zuerst ueber die Buecher und ueberlegte, was mir persönlich wichtig ist und setzte so die Prioritäten. Busfahren ist fuer meine Hunde unwichtig, da ich keine ÖV's nutze. Ich schleppe meine Hunde nicht mit ins Resti oder gar zum einkaufen mit. Demnach uebe ich solche Dinge schon gar nicht mit meinen Hunden. Wichtig ist mir, dass ein Hund an die Umweltreize gewohnt ist. Bones ist z.B. dadurch, dass wir an einer vielbefahrenen Hauptstrasse und angzenzend zum Industriegebiet wohnen, extrem abgehärtet was jegliche Geräusche betrifft. Kann zwar sein, dass sie sie schon mal kurz erschrickt, wenn etwas sehr laut ist, das darf sie aber auch. Panik hat sie deswegen jedenfalls noch nie gschoben. Wichtig war mir auch, dass sie an nem Agimeeting nicht gerade hyperventiliert und mit etwas Trubel umgehen kann. Ich nehm sie aber an nem Meeting meist nur relativ kurz mit ins Geschehen. Mache ich auch heute noch so. Mir war auch wichtig, dass sie mit anderen Hunden gut umgehen kann. Sofern sich ihr Kindskopf und die Hormone nicht zu sehr durchringen, ist sie ein sehr sozialer und höflicher Hund. Ihre Kommunikation ist der hammer.

Sie ist weiss Gott nicht Miss Perfect und sie hat auch heute noch Muehe mit gewissen Situationen und wir haben einige Baustellen aber sie ist ein junger Hund und gehört zusätzlich noch einer sehr reaktiven Rasse an inkl. nem ordentlichen Schuss Jagdtrieb und dem Drang Menschen zu sammeln um diese dann mit nach Hause zu nehmen :ugly:

Ich sehe aber immer wieder Welpen und junge Hunde in Situationen, wo ich einfach nur den Kopf schuetteln muss, weil es meiner Meinung nach gar nicht geht. So sah ich vor einigen Jahren mal in nem EKZ, Samstags in der Vorweihnachtszeit nen kleinen Goldiewelpen. Dieser wurde durchs getuemmel geschleift - der wollte schon gar nicht mehr laufen, so fertig war der. Also zog man ihn an der Leine dem Boden nach ;(

Es ist ja ok mit dem Hund unter die Leute zu gehen aber bitte mit etwas mehr Verstand :thumbdown: allgemein neigen die Leute eher dazu, ihren Welpen mit Reizen zu ueberfluten, als ihm die Ruhephasen, die ein Welpe eigentlich so sehr braucht zu gönnen. Ich persönlich lasse lieber etwas unwichtiges aus und arbeite später, bei allfälliger Unsicherheit das ganze in Ruhe auf, als meinen Hund mit unnötigen Dingen völlig gaga zu machen. Schliesslich haben unde ihr Leben lang Zeit um etwas zu lernen, man muss nicht alles in die ersten 16 Wochen stecken.

Dass ein Hund, der das erste Lebensjahr im Zwinger war, ohne Probleme auf jegliche Reize von aussen ganz cool reagiert, glaube ich ehrlich gesagt nicht. Erst recht nicht, wenn man "Landleben" im Zwinger gegen Stadtleben in Wohnblock tauscht. Frueher oder später kommen da zwangsläufig Probleme auf, auch wenn diese in der ersten Zeit nicht ersichtlich sind. Heisst ja nicht, dass dieser Hund völlig austicken muss, es können genau so gut plötzlich gesundheitliche Probleme auftauchen
Hundeschule und Fleecetaue

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Dienstag, 9. Juli 2013, 17:06

Zitat

Meine Frage ist: Wie viel Sozialisierung braucht der Hund tatsächlich? Wäre es nicht sinnvoller, ihn im ersten Jahr an die Reize des Alltags zu gewöhnen, weil er dann später aufgrund seines gefestigten Charakters auch mit fremden Reizen umgehen kann? Was für einen Sinn macht es, Bahn zu fahren, in die Stadt zu gehen, etc.? Wann überfordert man den Junghund mehr als man ihn fördert?
Während der Sozialisierungsphase in die Stadt zu gehen und Bahn zu fahren macht in meinen Augen dann Sinn, wenn diese Dinge eben zu den Reizen des Alltags gehören.
Somit hatten beide Hunde zwar die Sozialisierung die für ihre Halter wichtig waren gehabt, aber eher passiv und nicht aktiv die Situation gesucht und gearbeitet. Sie hatten keinen Plan, sondern einfach gelebt.

Ich denke, genau so sollte es gemacht werden und genau so wurde das wahrscheinlich auch meistens gemacht in Zeiten, bevor die ganzen Hundebücher geschrieben wurden und die ganzen Hundeschulen wie Pilze aus dem Boden schossen. Der Hund kann immer irgendwann mal in eine ihm unbekannte Situation geraten. Wenn er aber erfahren hat, dass er sich auf seinen Halter verlassen kann und die Möglichkeit hatte genug Selbstvertrauen zu entwickeln, werden ihn solche Situationen nicht aus der Bahn werfen.

Zitat

Gerd Leder führte am Seminar aus, dass viele Schäfer ihre Welpen und Junghunde in den ersten ein bis zwei Jahren (meine ich) praktisch nur im Zwinger halten, sie gegebenenfalls an der Leine mitnehmen... aber mehr auch eigentlich nicht
Da drüber habe ich auch öfters mal nachgedacht. Dabei kam mir aber immer mal wieder das Bild der Hündin in den Sinn, die Gerd am Seminar dabei hatte. Die wurde ja genau so sozialisiert wie beschrieben, machte mir aber nicht wirklich den Eindruck, als würde sie sich wohl fühlen inmitten der unbekannten Umgebung und einen entspannten Eindruck machte sie auch nicht. Sie konnte sich gut orientieren an dem Rüden, den Gerd noch dabei hatte und an Gerd selber aber vielleicht war sie doch ein bisschen zu lange nur im Zwinger in ihren ersten zwei Lebensjahren. Ich zweifle aber nicht daran, dass auch sie eine ganz entspannte tolle Hündin wird. Sie ist jetzt aber auch in kompetenten Händen und bei jemanden der die Zeit hat, sich um sie zu kümmern.
Lg Nicole