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  • »Tinkerbell« ist der Autor dieses Themas

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Sonntag, 9. Februar 2014, 22:57

Ist bei der Zucht das verpaaren von engen Verwanten Ok?

Hallo Fories

Damit der Thread von Idesiree nicht zu getextet wird und mich das Thema brennend interessiert, habe ich einen neuen Thread erstellt.

Welche Verpaarungen sind in euren Augen Ok und welche nicht?

Ich freue mich auf eine angeregte Diskussion darüber.

Danish

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Sonntag, 9. Februar 2014, 23:51

Genetik ist keine Mathematik. Inzucht und Linienverpaarungen waren und sind wichtig in der Rassenzucht. Nur so können Eigenschaften (äussere wie innere) hervorgeholt, verstärkt und gefestigt werden.

Natürlich ist die Gefahr von genetisch bedingten Defekten (welchen auch immer) entsprechend grösser. Aber - um es mal etwas krass auszudrücken - ohne extreme Versuche kommt man in einer Zucht nicht weiter.

Zucht bedeutet nicht nur Rüde und Hündin zueinander zu lassen. Zucht (und das unterscheidet sie von Vermehrern, "eine-Hündin-muss-einmal-werfen-um-glücklich-zu-sein" und allen Mein-Hund-braucht-keine-Papiere Menschen, die dann auf ebay und ricardo ihre Würfe anpreisen wie sauer Bier) soll eine Rasse nicht nur erhalten sondern nach Möglichkeit sogar verbessern will. Ob das nun auf das Äussere oder auf die Eigenschaften bezogen ist, ist dann wohl Ansichtssache.

Ich persönlich bin kein Fan von Schönheits-Zuchten. Natürlich soll ein Hund ein gewisses Äusseres haben, um zu einer Rasse zu gehören. Aber man sollte es nicht allein darauf beschränken. Aber das ist meine bescheidene Ansicht, die vermutlich viele Züchter div. Show-Linien nicht teilen. Und auch Show-Hunde sind tolle Hunde!

Aber zurück zur Verpaarung.

Ja, es KANN okay sein, wenn der Züchter sich der Risiken bewusst ist und er mit den Konsequenzen leben kann, wenn die Genetik eben mal so funktioniert, wie Genetik funktiionieren kann. - Entgegen allen Möglichkeitsberechnungen.

Das Problem in der heutigen Zeit (wobei "Problem" der falsche Ausdruck ist) ist, dass wenn sichtlich kranke, genetisch eingeschränkte Welpen fallen diese "durchgebracht" werden - und wenns ganz dumm läuft und der Rassenstandart das nicht ausschliesst, mit diesen dann munter weiter gezüchtet werden kann.

Ich finde es nicht per se schlecht - und nicht per se gut. Den hier angesprochenen Wurf kenne ich nicht, mit Show-Linien kenne ich mich überhaupt nicht aus und mit der betroffenen Rasse schon gar nicht.

Ich persönlich würde nur dann einen solchen Hund nehmen, wenn mir die Linie, die gezüchtet wird, extrem zusagt und der Wurf bei der Züchterin meines Vertrauens fallen würde!

Bones

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Montag, 10. Februar 2014, 00:28

Meine Meinung kann man da nachlesen ^^
Wie auch immer, wer das macht, sollte auf jeden Fall Ahnung von Genetik haben. Übrigens, nur weil die FCI Halbgeschwiserverpaarungen zulässt, muss es nicht automatisch gutzuheissen sein.
Hundeschule und Fleecetaue

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Montag, 10. Februar 2014, 00:51

@Danish
Du schreibst es kann Ok sein, wenn sich der Züchter der Risiken bewusst ist. Doch die Hunde leben ja dann nicht beim Züchter sondern beim Käufer. Und von dem kann man ja nicht erwarten, dass er sich dem Risiko bewusst ist, geschweige nachforscht wie oft da verwante Tiere verpaart wurden. Ausgenommen sind natürlch Hundesportler und solche Leute, die sich damit befassen möchten.

Meiner Meinung nach sollten solche Verpaarungen nicht zu gelassen sein. Alle predigen immer wieder, dass man einen Hund beim Züchter kaufen soll. Da sei die Wahrscheinlichkeit am höchsten, einen gesunden Hund zu bekommen. Doch der FCI erlaubt Qualzuchten und Verpaarungen von engen Verwanten....

Momentan muss ich mir ja noch keine Gedanken machen, was für ein Hund als nächstes bei uns einzieht. Unsere Weiber sind ja noch jung und knackig.

Danish

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Montag, 10. Februar 2014, 01:34

Was glaubst du, wie der Name einer Zucht schnell negativ belastet ist, wenn Hunde daraus offensichtlich krank sind, wenn sie zum Käufer kommen?

Abgesehen davon wird kein Züchter absichtlich kranke Hunde züchten - ausser es steht im Rassebeschrieb. Aber Qualzuchten sind ein anderes Thema.

Dank engen Linienzuchten, abgewechselt mit Outcross-Verpaarungen, haben wir heute die Rassen mit ihren herausstechenden Merkmalen. Ein über mehrere Generationen und eine ganze Rasse gefestigtes Merkmal züchtet man nicht mit genetisch völlig unterschiedlichen Hunden.

Aber nur mit Outcross-Verpaarungen holt man nichts aus einer Rasse heraus bzw. züchtet nichts in eine Rasse hinein. Wenn wir nur genetisch völlig unterschiedliche Hunde in der Zucht haben wollen, ist zwar vielleicht der einzelne Hund gesund und gut - aber Eigenschaften werden so nicht gefestigt.

Magi

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Montag, 10. Februar 2014, 01:44

8| Das versteh ich nun irgendwie nicht so ganz.

Nehme ich einen Beagle Rüden mit Jagdtrieb, gutem Körperbau und festem Wesen und verpaare diesen mit einer komplett Blutsfremden Hündin mit Jagdtrieb, Wesensfest und gutem Körperbau ist doch alles bestens für einen Wurf mit genau diesen Eigenschaften 8|
Dafür muss man dann ja keine Halbgeschwister nehmen?

Ich verstehe, dass man bei gewissen Rassen wo die allgemeine Population sehr gering ist, nicht komplett vermeiden kann das die Hunde irgendwie miteinander Verwandt sind. Aber bei Rassen die eine gute Population haben - verstehe ich den Sinn dahinter nicht.

Wäre offen für eine gute Erklärung.

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Bones

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Montag, 10. Februar 2014, 01:53

Tinker, man muss sich hald schon damit befassen und wie ich finde, ist es heutzutage keine Kunst etwas herauszufinden.

So viele gute Züchter es auch gibt, genau so gibt es auch unseriöse innerhalb der FCI. Man muss hald nicht gleich den nächstbesten nehmen oder sich ausschliesslich auf Empfehlungen verlassen. Selbst nachforschen ist nie verkehrt.

Inzucht muss meiner Meinung nach einen gerechtfertigten Grund haben und dieser ist beim besten Willen nicht die Optik. Aber je nach dem wen man fragt, ist's ne ganz tolle Sache oder böse gottspielerei ;) die eigene Moral spielt da ne grosse Rolle. Im Nachhinein sollte man einfach nicht rumheulen, wenn dann doch nicht alles so rosig ist ;)

Im Internet findet man übrigens etliche Stammbäume von diversen Rassen. Man kann also sehr gut nachverfolgen, wer wie oft mitgemischt hat. Z.b. Bones Stammbaum lässt sich bis ins Jahr 1896 zurückverfolgen und ich denke nicht, dass der Malinois da die grosse Ausnahme ist.


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Hundeschule und Fleecetaue

Danish

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Montag, 10. Februar 2014, 02:05

Magi - wenn Genetik so einfach wäre, hiesse sie Mathematik.

Je näher genetisch Tiere verwandt sind, desto grösser ist die Chance, dass die entsprechenden Eigenschaften nicht nur vererbt sondern so vererbt werden, dass sie Generationen überdauern.

Und je näher genetisch Tiere verwandt sind, desto grösser ist die Gefahr, dass sich die "falschen" Gene vererben und festigen!

Ich sage ja nicht, dass es das Non-Plus-Ultra ist. Definitiv nicht! Aber es ist auch nicht per se der Untergang der zivilisierten Welt!

Silvie

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Montag, 10. Februar 2014, 09:11

Die Inzucht oder Linienzucht soll eine Verdoppelung der Gene von einem oder mehreren bevorzugten Vorfahren bewirken, indem er als Ahn eines Hundes mehrfach vorkommt. Einfaches Beispiel: Die Eltern eines Hundes sind Cousin und Cousine, das heißt eine Großmutter des Hundes ist die Schwester eines Großvaters.
Jede Inzucht verstärkt die Homozygotie, das heißt, die Wahrscheinlichkeit, mit der einzelne Gene auf beiden Allelen gleich sind, wird erhöht. Dadurch wird die Vielfalt dessen, was der einzelne Hund vererben wird, eingeschränkt - im Positiven wie im Negativen.


Negativ: Es können bisher verborgen mitgeschleppte genetische Krankheiten zutage treten. Zufällig oder bewußt weggezüchtete Gene können nicht wieder zurückgeholt werden, außer sie sind in anderen Linien noch vorhanden. Wenn alle Züchter dasselbe Zuchtziel konsequent verfolgen, kann dadurch eine Hunderasse unwiederbringlich an Vielfalt verlieren.


Positiv: Es wird vorhersagbarer, wie die Welpen eines Hundes aussehen werden, wenn er aus einer Linienzucht stammt - welcher Züchter läßt sich schon gern von seiner Hündin überraschen? Das ist also ein großes Plus der Linienzucht. Vorhersagbar natürlich nur für den Fall, dass man die Eigenschaften der Vorfahren des Hundes gut genug kennt!

In den Chromosomensträngen bewirkt die Inzucht das verstärkte "Aufspalten" der sonst durchschnittlich häufig heterozygot (gemischterbig) vorliegenden Gene, vereinfacht genannt Aa oder Bb, so dass sie vermehrt reinerbig vorliegen. A und a symbolisieren zwei unterschiedliche Allele eines einzelnen Gens, groß-A symbolisiert ein dominantes und klein-a ein rezessives, d.h. von groß-A unterdrücktes Gen zu einem beliebigen Merkmal.
Diese Aufspaltung der Merkmale in beispielsweise AA oder aa verursacht eine verstärkte Ausprägung der nun reinerbig vorliegenden Gene, die sich nicht mehr in abgeschwächter, heterozygoter Form, sondern „ungebremst“ homozygot zeigen können. Einfach rezessiv erbliche Merkmale werden überhaupt erst reinerbig sichtbar.
Die Merkmale eines Hundes liegen durch Inzucht vermehrt reinerbig vor, einfach da beide Eltern überdurchschnittlich viele gleiche Gene hatten. Wenn die Eltern selbst bereits ingezüchtet bzw. liniengezüchtet sind, verstärkt sich der Effekt.




Inzuchtdepression:
Eine typische negative Folge der Inzucht wird Inzuchtdepression genannt.
Es können ab einem gewissen, relativ hohen Inzuchtgrad allein aufgrund der erhöhten Homozygotie (Reinerbigkeit) die Fruchtbarkeit und die Widerstandsfähigkeit zurückgehen, die Hunde bleiben auch etwas kleiner in der Statur.
Erfahrungsgemäß brauchen offensichtlich Tiere jeder Art einen gewissen Grad an Gemischterbigkeit (Heterozygotie), sonst reagieren sie allgemein anfälliger auf negative Umwelteinflüsse und ihre Vitalität lässt nach.



Quelle:http://www.deki-la-chenga.de


----------------------------------------------------------------------------------------------------------------


Soviel erst mal zur wertfreien Theorie:

Ich schreibe nun meine persönlich Meinung dazu, die soll niemanden auf irgendeine Weise vor den Kopf stossen… es muss jeder für sich selber entscheiden, was man für richtig hält.

Inzucht hat sicher bei der Entstehung aller Rassen zu irgendeinem Zeitpunkt mal eine Rolle gespielt, das ist klar und unumstritten.
Wenn eine Rasse jedoch einen genügend grossen Genpol erreicht hat, ist es nicht mehr notwendig bzw. die negativen Folgen welche inzucht Verpaarungen haben könnten, überwiegen meiner Ansicht nach die positiven.

Für mich persönlich ist es z.B weniger wichtig das eine Rasse ein möglichst homogenes Erscheinungsbild hat. Gerade die Vielfalt der unterschiedlichen Typen macht es doch interessant und für jeden Geschmack ist etwas dabei.

Es ist eine Tatsache, das je unterschiedlicher die Gene desto weniger Anfällig für Krankheiten… also was ist nun wichtiger? Gesundheit, oder Aussehen?

Bei den Charaktereigenschaften bin ich immer etwas vorsichtig- wie viel davon durch äussere Einflüssen geprägt ist und wie viel wirklich vererbt? Man weiss es nicht!
Innerhalb eines Wurfes kann von zurückhaltend und scheu über selbstbewusst und frech alles dabei sein. Aber ich habe noch nie gelesen das ein Züchter mit Eltern wirbt, wovon einer scheu oder ängstlich ist… ;)

Nun kommt noch der moralische Aspekt dazu.
Würdet ihr mit eurem näheren Verwandten Kinder zeugen?

Jetzt kommt sicher das Argument: DAS IST WAS VÖLLIG ANDERES!

Hm, ist es das? Genetisch gesehen eigentlich nicht. Der Hund ist genau wie wir ein komplexes Säugetier, was den selben biologischen Gesetzen unterliegt.

Für mich käme daher nur Outcross in Frage - ganz egal für wie toll mir der Züchter die Verpaarung verkaufen will. Ich vertraue diesbezüglich lieber auf meine innere moralische Einstellung… wenn der Hund nachher doch unter den Folgen leider muss, muss ich damit klar kommen, nicht der Züchter! :aufgeb:



Nikit

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10

Montag, 10. Februar 2014, 13:06

Gut geschrieben Silvie!

Ich bin auch deiner Meinung!

Lg
Nikit

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11

Montag, 10. Februar 2014, 13:30

Sehr gut und interessant geschrieben, danke Silvie
Lebe deinen Traum 8)

Pixel-Paws

Meister

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Mittwoch, 12. Februar 2014, 18:03

Ich werfe nur etwas kurz ein: Es kann auch Zufall sein, aber ich weiss von zwei Paare, die irgendwie Verwandt waren und Kinder hatten. Paar eins war Cousin und Cousine und das gemeinsame Mädchen hatte Behinderungen. Es war Höhr- und Sehgeschädigt, und hatte mühe mit Lernen, musste desswegen auf eine Behindertenschule (da habe ich sie kennen gelernt, weil ich eine Kollegin hatte, die auch da hin ging).

Und vom anderen habe ich grade heute gehört. Eine junge Frau, die zwei Kinder hat, beide auch Sehbehindert. Wie weit sie und ihr Mann verwandt sind, weiss ich allerdings nicht, nur dass sie es sind.

Bei APBTs habe ich zahlreiche Stammbäume gesehen, wo so abartig krass ingezüchtet wurde über viele Generationen, dass einem schlecht wird dabei! 35x der selbe Name in einem Stammbaum zum Beispiel... Und die Hunde sind, abgesehen jetzt von der extremen Unverträglichkeit mit anderen Hunden, gesund.

Ich denke also kaum, dass man Menschen mit Hunden vergleichen kann. Aber vielleicht sind meine zwei menschlichen Erfahrungen auch einfach Zufall...

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Mittwoch, 12. Februar 2014, 18:22

Mhhhh, ich bin immer noch sehr nachdenklich....

So wie ich das von Silvie verstanden habe, sind durch Inzucht entstandene Tiere anfälliger auf Krankheit, sprich Rassehunde?

Silvie

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Mittwoch, 12. Februar 2014, 19:05

So wie ich das von Silvie verstanden habe, sind durch Inzucht entstandene Tiere anfälliger auf Krankheit, sprich Rassehunde?
Das kann ich so nicht stehen lassen- nicht Rassehunde allgemein sind anfälliger auf Krankheiten. Auch müssen durch Inzucht entstandene Welpen nicht zwangsläufig irgendwie kränker oder schwächer sein als Mischlingswelchen dessen Eltern überhaupt nicht miteinander verwandt waren.


Ich versuche aber immer das "grössere Bild" zu sehen- also die Konsequenzen für Gesundheit und die Entwicklung der Rasse abzuschätzen. Mein logisches Verständnis von Biologie sagt mir, das es nicht gut sein kann bewusst Inzucht zu betreiben.
Genauso sehe ich es sehr skeptisch wenn ein beliebter Deckrüde immer und immer wieder eingesetzt wird…

@Pixel: ich denke das es Zufall ist. Denn früher hat man sehr sehr häufig Cousins ersten grades miteinander verheiratet… die Kinder waren meistens gesund.

Anders sieht es bei Inzest aus wie z.B Vater mit Tochter oder Vollgeschwister. Da ist die Wahrscheinlichkeit ein behindertes Kind auf die Welt zu setzen recht hoch.

Warum "Inzucht" bei Hunden vermeintlich nicht so schlimme Konsequenzen hat, könnte an verschiedenen Faktoren liegen. Die viel längere Lebensspanne beim Mensch, als auch die Tatsache das Menschen keinen Gesundheitscheck brauchen um sich fortpflanzen zu dürfen *hust* sind nur die, die mir Spontan so einfallen.

Tagtraum

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Mittwoch, 12. Februar 2014, 20:15


Warum "Inzucht" bei Hunden vermeintlich nicht so schlimme Konsequenzen hat, könnte an verschiedenen Faktoren liegen. Die viel längere Lebensspanne beim Mensch, als auch die Tatsache das Menschen keinen Gesundheitscheck brauchen um sich fortpflanzen zu dürfen *hust* sind nur die, die mir Spontan so einfallen.


Wie schlimme Konsequenzen Inzucht hat, hängt immer davon ab, wie viele Erbkrankheiten rezessiv vorhanden sind, also zwar genetisch vorhanden, aber nicht phänotypisch (nicht ausgebrochen/sichtbar). Sind keine rezessiven Erbkrankheiten, dann kann es durch Inzucht auch keine Krankheiten geben. Ausnahme ist die Inzuchtdepression, das ist aber meist erst ein Problem nach mehreren Generationen enger Inzucht. So viel die Theorie.

Bei Mäusezuchtstämmen wird absichtlich ingezüchtet (auch Vater-Tochter / Mutter-Sohn), um die Krankheiten sichtbar zu machen. Dann kann man diese rausselektieren und nur mit den genetisch gesunden weitermachen. Oder man kann natürlich auch nur die Kranken drinbehalten. Bei Mäusen ist das ja nicht so ein Ding, die Ungewollten zu "entsorgen".
Bei Labor-Inzuchtstämmen wird praktisch nur ingezüchtet, um die Tiere möglichst identisch zu machen, und somit möglichst verlässliche Versuchsergebnisse zu erhalten.

Bei Menschen sind, aufgrund der "fehlenden Selektion", nunmal sehr viele Erbkrankheiten rezessiv vorhanden, deshalb hat dort Inzucht auch so schlimme Wirkungen. Früher war das wahrscheinlich noch nicht so "schlimm", weil viele Kranke sich nicht fortpflanzen konnten (früh gestorben) -> natürliche Selektion.

Bei Hunden wird zwar selektioniert, aber - soweit ich weiss - nicht gross Linienzucht betrieben. D.h. es sind wohl Erbkrankheiten rezessiv vorhanden, aber nicht so viele wie bei den Menschen. Es ist also so ein Zwischending. Da muss man halt schon stark Schaden-Nutzen abwägen. Inzucht hilft dem Züchter sicher bei der Manifestation gewisser Merkmale, sei das Schönheit, Leistung, Gesundheit.
Das Problem ist bei Inzuchtverpaarungen, was machst du mit kranken Hunden? Töten? Abgeben? Was wenn doch damit gezüchtet wird bzw. ein Unfall passiert ...

Silvie

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Mittwoch, 12. Februar 2014, 20:41

vielen Dank, Tagtraum- sehr gut erklärt :thumbup:

Magi

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Mittwoch, 12. Februar 2014, 21:27

Mein Gehirn hat nun auch paar Dinge neu dazu gelernt, seit meinem letzten Beitrag :D
Find das Thema noch spannend

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Danish

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Mittwoch, 12. Februar 2014, 21:55

Man muss einfach auch sehen, dass gerade in der Gebrauchshundezucht (und da zählen für mich alle Hunde dazu, die zum Arbeiten gezüchtet wurden) die heute so "typischen" Eigenschaften nicht aus Zufall entstanden. Da wurden Extreme gezüchtet, extreme Inzucht - und für die kranken Hunde oder die, die nicht dem Ideal entsprachen, gab es den Fluss hinter dem Haus oder die Scheune......

In diese Extreme muss heute kein Züchter mehr gehen - zum Glück. Aber Inzuchtverpaarungen können durchaus Sinn machen! Ob das Aussehen nun ein solcher Sinn ist, da scheiden sich wohl die Geister. Aber die scheiden sich schon in der Grundsatzfrage, ob man einen Arbeitshund rein auf Schönheit züchten soll.

Aber ich verstehe durchaus Menschen, für die Schönheit wichtig ist. Was für mich die Gebrauchseigenschaften sind, ist für andere das Aussehen. Die schütteln wohl den Kopf, wenn ich von Aggressionen, Wehrhaftigkeit und Reaktionsschnelle spreche, wenn ich meinen Traumhund beschreibe.

Und ja - um Gebrauchseigenschaften zu erhalten bin ich durchaus für durchdachte und gezielte Linienzucht. Auf die Gefahr hin, dass es ab und zu zu ungewollten Genverpaarungen kommt - mit allen Konsequenzen!

Silvie

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Mittwoch, 12. Februar 2014, 23:11

Und ja - um Gebrauchseigenschaften zu erhalten bin ich durchaus für durchdachte und gezielte Linienzucht. Auf die Gefahr hin, dass es ab und zu zu ungewollten Genverpaarungen kommt - mit allen Konsequenzen!
Die Frage ist- werden diese Eigenschaften bei Linienzucht wirklich so viel besser/zuverlässiger weiter gegeben? Natürlich, man ist auf der sicheren Seite was Überraschungen angeht, aber dadurch bleiben auch Steigerungen aus, oder nicht?

Zugegeben, von Gebrauchshunden verstehe ich gar nichts- will mir also nicht anmassen darüber zu urteilen.

Ich weiss nur wie es bei den Leistungshunden meiner Rasse aussieht.
Dort strebt man eigentlich an die Rennleistung zu verbessern- das heisst das die Nachkommen möglichst noch schneller werden.
Das erreicht man eigentlich nur durch "Outcross"- sicher, es kommt häufig vor das die Hunde lediglich "mittelmässig" werden, aber alle 2-3 Würde landet man dann doch einen Volltreffer und die haben es dann so wirklich in sich.

Auch Outcross Verpaarungen kann man durch Ahnenvorschung recht gut "kalkulieren" in dem man schaut welche Linien mit welchen in der Vergangenheit gute Nachkommen ergeben haben.

Als Beispiel: Sarion's Papa stammt aus der so genannten "Binkie" Linie (das war ein Multi-Rennchampion ) während die Mutter aus einer "Zorneagle's" Linie stammt.

In der Vergangenheit wurden schon andere Nachkommen aus diesen Beiden Linien miteinander verpaart, und es brachte gute Leistungsstarke Welpen.

Diese Art der geplanten Outcross Verpaarungen aus bereits bewährten Kombinationen in der Vergangenheit hat sich bei den Leistungs- Whippetzüchtern durchgesetzt.

Immer mal wieder sieht man sogar ganz neue "Experimente" und die richtig grossen Leistungssprünge hat man fast immer in solchen Würfen… :wacko:

Danish

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Donnerstag, 13. Februar 2014, 00:01

Ich denke, dass bei der Geschwindigkeit irgendwann mal das Maximum erreicht ist. Immer schneller geht auch nicht.

Und bei den Gebrauchshunden waren die "Leistungssprünge" sicher in den Anfängen am grössten. Aber z.B. beim Malinois hat man gerade in den Anfängen sehr oft die gleichen Hunde genommen. Da war ein Rüde, der für seinen knallarten Biss berühmt war - also wurde er eingesetzt! Und seine direkten Nachkommen wurden erstmal auf Leib und Seele getestet, bevor sie die Gene weiter geben durften. Und es wurde ausprobiert, mit welcher Hündin die besten - und stabilsten - Ergebnisse erzielt wurden. Und da gab es garantiert Verbindungen, die so eng waren, dass uns heute schlecht davon wird. ABER - die gesunden Nachkommen solcher Hunde, die dann wieder gesunde Nachkommen erbrachten - das waren die Stammväter und -mütter des heutigen Malinois!

Ob man heute noch solche Leistungssprünge braucht? Naja - es gab und gibt leider auch bei den Gebrauchshunden Tiere, die zur Zucht zugelassen wurden und, wie drücke ich es aus???...... der Rasse nicht sehr viel brachten als ein hübsches Gesicht.....

Wenn dann so ein Hund in der Ahnentafel auftauch..... Dann muss man unter Umständen schon schauen, wie man gewisse unerwünschte Eigenschaften wieder aus der Linie raus bekommt.... Und gerade das "wegzüchten" geht nur schwer mit Outcross-Verpaarungen.

Aber eben - es ist ein extrem schwieriges Thema. Und ich bin mir auch nicht sicher, ob alle Züchter sich da wirklich genügend Gedanken darüber machen......